Die Utopie auf dem Blatt Papier

#01

Es gibt ein Café im kleinen Dschungel wo die Leute sich nur treffen wenn sie sich in der wilden Straße verlieren. Es gibt viele kleine kuschlige Ecken zum Verstecken. Die Intimität wird durch herunterfallende blühende Äste erzeugt. Jede kleine Ecke ist eine Lichthöhle und alle Wege sind aus lichtdurchlässigem Beton gemacht sodass man sich nur halb unbewusst verlieren kann.

#02

Die lichtdurchflutete Stadt, in der sogar der Beton lichtdurchlässig ist, kaum Schatten nur Licht. Die einzigen Elemente, die Schatten erzeugen, sind natürlichen Ursprungs: Bäume, Sträucher, Menschen. Sie ziehen wilde Straßen entlang. Wild? Warum wild? Nicht zivilisiert! Keine Schilder, keine Ampeln, kein Pardon! Wilde Straßen, wilde Bäume… in ihnen wachsen Äpfel, Pflaumen, Birnen. Ich backe Kuchen und trinke Café in verlorenen Café-Stuben. Hier nennt man das: Coffee-Shop.

#03

Ich verliere mich da hier dort und für immer. Durch Tunnel gehe ich. Wie Würmerhöhlen, Ameisenhügel. Eine Stadt durch lichtdurchlässigen Beton der sich bildet bis zum niemals Enden. Pipesystem. Block für Block, hoch und runter, über meinem kleinen kalten Kopf. Tropfen von alles und nichts. Der Himmel fallend. Welcher Himmel denn? Die Straßen, winzig und verloren. So wie ich. Wohin damit? Mit mir? Und diesen ewigen Tunneln? Ein Durcheinander von Lich und Kälte. Unterirdisch. Doch es atmet, tropft und klingt stumpfe Klänge von einem Ohr zu dem anderen. Ich stehe da. Winzig klein und weiß immer noch nicht wo. Springe auf einen Tropfen und bitte ihn, nach oben zu wandern. Durch diese kleinen Löcher über mir. Die Poren dieser Unterwelt. Die Schwerkraft soll sich wechseln, verschwinden soll sie!Ich schwebe da zwischen allem. Über mich und diese niemals endenden Tunnel die sich kreiseln.

#04

Bei lichtdurchlässigem Beton denke ich zunächst an eine Betonwand mit großen runden Löchern, irgendwo in Berlin gesehen, aber die Worte sind schöner als das und ich denke auch an neue Formen der Architektur die lichtdurchlässig, dynamisch und fließend sind.
Wilde Straße lässt an die Hermannstraße denken, der Rest ist nicht mehr sonderlich wild, aber wäre es gern, oder? Verlorene Cafés gibt es nur in Charlottenburg. Nochmal zu lichtdurchlässigem Beton: für mich bleibt es als Metapher einer neuen Lebensweise im Städtischen hängen: ungewöhnlich, unmöglich, Grenzüberschreitend, verwunderlich, innovativ aber immer noch Beton?

#05

Eine Stadt die Wolkenkratzer hat, sowie auch kleine Straßen in denen verlorene Cafés zu finden sind. Unter anderem ist das Nachtleben sehr wild. Eine Metropole wie London vielleicht mit verschiedenen Stadtteilen und verschiedenen Bewohnern. Das Zentrum der Stadt sehr überfüllt, viele Gebäude nebeneinander.

#06

Sie glüht, die Stadt der Städte,
glüht hindurch, durch den Beton,
den lichtdurchlässigen.
*
Sie tobt, tanzt, geistert, bebt
und hinterlässt wilde Spuren,
asphalt’ne Spuren auf ihrem Grund.
*
Sie lässt Wunder spriessen an ihren
Adern, winzige Punkte für zeitlose
Wesen, in denen sinniert, kuriert, passiert.
*
Sie glüht aus vollem Leibe, erhellt
sich damit selbst.

#07

Sommer:

  • weite, grüne Parks
  • lichtdurchlässiger Beton – Hochhäuser mit viel Glas
  • bunte Menschen in den Straßen – wilde Straßen
  • Balkone und Gärten
  • Farbigkeit bestimmt das Stadtbild

Winter:

  • graue Straßen im Nebel
  • verlorene Cafés – verlassene Cafés
  • Beton, Asphalt, Mauern
  • graues, tristes Stadtbild

Jahreszeitenunabhängig:

  • Abwechslung von Hochhäusern mit Gegenden, in denen Einfamilienhäuser das Stadtbild bestimmen
  • Blick in die Ferne nur an hoch gelegenen Punkten möglich
  • Zusammenspiel alter und neuer Architektur → mal mehr, mal weniger gut gelöst
  • Abwechslung von Profan- und Sakralbauten

#08

Die wilde Straße war gesäumt von hohen Häusern. Sie war voller Menschen, die aufgeregt herumliefen. Massen schoben sich an den hohen Häuserfronten entlang. Vorbei an verlorenen Cafés. Cafés voller Menschen, die suchten. Auf der Suche nach nach jemandem, der sie findet. Oder auf der Suche nach jemandem der selbst verloren scheint und gefunden werden möchte. Vielleicht zumindest gesehen, denn der lichtdurchlässige Beton der Häuser ließ allein Licht durch. Namen, Gesichter und Identitäten schienen nicht hindurch und blieben im Innern verborgen.

#09

Lichtdurchlässiger Beton in die wilde Straße mit den verlorenen Cafés, wohin man geht um nicht zu Hause zu sein, man geht überall, und in jedem Teil von dieser Stadt gibt es andere Gefühle, Gedanken, Erlebnisse. Jeder Teil hat einen Überraschungs-Effekt, wie in einem Traum, wo man läuft und läuft und nicht sieht was weiter passiert, kein Plan und keine Struktur. Man lässt sich führen durch, mit und in der Stadt, und soll wieder vergessen wo er vorher gewesen ist, weil da in jeder Ecke eine neue Erfahrung auf ihn wartet.

#10

Sie wurde ihm beschrieben als „wilde Straße“. Als die lauteste dieser Stadt, die wo alles Leben, alle Abenteuer passierten oder mindestens begannen.
Es war ein Sonntagvormittag. Bisher hatte er nicht geschlafen, etwas ließ ihm keine Ruhe und trieb ihn durch die Straßen. Nun auch in diese, die er bisher gemieden hatte. Sonntag Vormittag war die perfekte Zeit für eine solche Gegend. Alle Abenteurer waren verschwunden und zurück blieb eine Geisterstraße. Verlorene Cafés und Bars suhlten sich im Straßengraben. Das diesige Herbstgrau zeigte der Straße wahres Gesicht. Nur das der Straße. Wenn dies Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens war, repräsentierte sie dann nicht das ganze Lebensgefühl dieses Molochs, das wahre Gesicht der Stadt?
Lichtdurchlässigen Beton müsste es geben, dachte er bei sich, und beschloss den nächsten Zug in die Natur zu nehmen.

#11

Wir waren in einer wilden Straße und wir suchten einige verlorene Cafés, weil ein Freund darüber gesprochen hatte. Wir sahen nur Häuser und Buildings aus lichtdurchlässigem Beton.

#12

Sie sind wie die wandernden Spinde in der Schule, die der Hausmeister heimlich verstellt und man immer wieder aufs Neue suchen muss – die verlorenen Cafés in abgeranzten Hinterhöfen, hineingeduckt zwischen noblen Boutiquen. Als würden die verlorenen Cafés einer geheimen Straße folgen, einem wilden Weg, der sein eigenes Leben und Prinzipien hat.
Auf der Suche nach den verlorenen Cafés, in denen man ein wohlig warmes Gefühl bekommt, geschützt und geborgen durch den lichtdurchlässigen Beton, ranken Bäume, Lianen und anderes Gestrüpp über die Straßen. In einer solchen Stadt herrscht Wärme in den Herzen der Menschen, weil die Sonne sich durc den lichtdurchlässigen Beton drängt. Fäden hängen wie ein riesiges Spinnennetz über die ganze Stadt verteilt und wippen im Puls des Lebens. Mit diesen Fäden können sich die Lebewesen von A nach B schwingen. Sie berühren das Spinnennetz und gleiten daran entlang. Es braucht keine anderen Verkehrsmittel. Diese Stadt ist magisch und verzaubert.

#13

Gebäude leuchten von innen, kathedralische Kuben, in denen sich schemenhaft menschliche Bewegung abzeichnet. Während die Cafés glosen, keinen Laut nach draußen dringen lassen, stürmt die Straße, Böller, Schreie, Marktplatzatmosphäre. Verirrte Fuß- und Volleybälle können dem Beton nichts anhaben, in Epizentren aus weißem Licht tobt die Straße. Der Verkehr ist ausgelagert, nur Menschen wuseln auf dem Tummelplatz, manchmal Hunde nach sich ziehend. Alles ist öffentlich, die Grenze zwischen Innen und außen ist nur eine zwischen Lärm und Einkehr, Tatendrang und Reflexion. Betritt man eines der Licht-Cafés stülpt sich drinnen nach draußen…

#14

Gescheiterte Existenzen unter blinkenden Reklamen werden von den Abgasen der Autos fast unsichtbar gemacht. Aber sie sind trotzdem da.
Viele sind hier, in der Stadt, auch wenn wir sie nicht sehen oder nicht sehen wollen.
Viele Menschen teilen sich soviel miteinander – einen Lebensraum – und haben doch scheinbar nichts gemein. Was sie verbindet scheint allein die Anonymität zu sein, die sie sich wie einen Schutzschild umgelegt haben.
Fast lebensfeindlich erscheint die Stadt. Zuviel Lärm, zuviele Autos, die Menge an Reizen und Eindrücken, die kaum zu verarbeiten ist. Und doch ist sie Lebensraum, ist sie Zuhause, manchmal regelrecht Zuflucht.

#15

Lichtdurchlässiger Beton. Beton ist ja schon beinahe eine Chiffre für eine herrschaftlich-brutale, in Konflikt mit natürlichen Lebensgrundlagen geratende Stadtplanung. Beton ist idealerweise grau, und zwar dunkelgrau, mit entsprechender Abgasbehandlung ins schwärzliche gehend. Er ist also nicht lichtdurchflutet, wie es z.B. Kathedralen u. Buchenwälder sind. Aber natürlich hinkt die Metapher, denn wer eine lichtdurchflutete Betonkathedrale sehen will, schaue sich einen neueren Hauptbahnhof (z.B. den Berliner) mit seiner monströsen Stahl-Beton-Architektur an. Das ist dann schon sehr nahe an lichtdurchlässigem Beton.
Zu fragen wäre nach einer positiven Aufhebung des Gegensatzes, denn natürlich ist Beton einfach nur ein Baustoff und keine fremde Macht (er wird höchstens zum Baustoff in den Händen fremder Mächte gemacht), und es gibt zweifellos eine Menge Orte, die lichtgeflutet gehören. (Allerdings keine wilden Straßen und verlorene Cafés.)

#16

Die utopische Stadt behält viele unterschiedliche Charakteristiken: belebte wilde Straßen, die trotz der vielen Menschen angenehm zum Spazieren bleiben. Das heisst nicht zu breit, damit die Stadtatmosphäre intim bleibt und nicht zu eng damit man im Kern der Stadt angenehm spazieren, shoppen und sich treffen kann.
Die perfekte Stadt ist nicht grau, sondern bunt, nicht wegen der Farbe bunt, sondern durch die unterschiedlichen Betonmauern, die verschiedene Lichtreflexion widerspiegeln. Einige Mauern und Wände erscheinen dunkelgrau und sogar schwarz, andere sehen wegen des lichtdurchlässigen Betons sehr blass aus. Die perfekte Stadt schafft es eine authentische Strahlung zu haben, verlorene Cafés liegen im Kern des Business Zentrums der Stadt.

#17

Da stehen mehrere Straßen, gelichtet mit der Sonne. Es gibt niemand, die Straßen sind ganz leer… aber die Natur ist überall: Bäume sind inmitten der Straße, grün ist überall. Die Straßen sind wilde, so wie die Natur hier lebte anstatt der Mensch. Da gibt’s verlorene Cafés, die scheinen so wie jemand noch seit ein paar Minuten da steht. Und die Sonne scheint überall.
Paradox: wie eine verlassene Stadt, mit Bäumen, Natur, Erde überall, aber noch lebendig, denn es lässt den Eindruck, dass es ein paar Minuten vorher voll animiert war, so wie eine große, normale „menschliche“ Stadt.

#18

Verlorene Cafés = Anonymität/ Großstadt
Metropolis – Fritz Lang Metropole
groß, nicht greifbar → Himmel, schweben = „Wolkenstadt“
vs.
dunkel, unter der Erde („wie Tiere“)

Utopie → vorstellbar/unvorstellbar
bleibt an Realität => Weiterentwicklung „Transformation“
harte / weiche Städte / lichtdurchfluteter Betongewirr
werden Utopien real? → in der Stadt – wie sieht sie aus?

Viele Menschen / Bewegung / Geräusche / Farben / Licht
→ /wilde Straße

positive vs. Negative Entwicklung / Gefühl zur Stadt
„Was liegt in der Luft“
→ technische Wahrnehmung

(Häuser/Straßen/Stadtbild)

#19

  • eine Großstadt ist wuselig und grau, wo sich auf befahrenen und wilden Straßen Menschen tummeln, anrempeln und ausweichen.
  • Menschen laufen wahllos durcheinander und schaffen sich durch Beton und Mauern ihre eigene Welt und schotten sich von der „Außenwelt“ ab.
  • Doch wie soll es auch anders sein, ein „Hallo“ und „Gutentag“ jedem Menschen zu entgegnen würde einen überlasten. Deswegen herrscht diese Anonymität die sich auch in den Bauten widerspiegelt.

Ich stelle mir eine Stadt voller verlorener Cafés, Bars, Straßen und vor allem verlorener Menschen vor, dessen Psyche einfach überstrapaziert wird.

#20

In der Stadt ist trotz, oder gerade wegen der Überfüllung vermehrt Leere zu finden. Lichtdurchlässiger Beton, zusammengesetzt aus undurchsichtiger Steinmasse und noch kälter wirkendem Glas; identitätsloses Gebilde als Ergebnis einer globalisierten Einheitsarchitektur. Nur vereinzelt lassen sich, mit immer weniger vertretbarem Aufwand, kleine Oasen urbaner Besonderheit finden. In vereinzelten wilden Straßen ist es noch möglich einen persönlichen Zugang zu seiner Stadt zu entwickeln. Die kleinen Freunden inmitten der durchgeplanten neuen Welt, sei es ein verlorenes Café das einsam um Insassen bettelt, ein grüner Platz im Stahl- und Betongewirr oder einsamer Obdachloser mit Hund: die Stadt lebt.

#21

Kathedralen aus lichtdurchlässigem Beton als Heimat für erhabene Gedanken, die darin in die Höhe ranken können wie wilder Wein. Als Ort der Ruhe zwischen all den wilden Straßen, wo jede Tür eine andere Farbe hat und jedes Fenster eine andere Form. Wo die Blumen auf den Dächern wachsen und zwischen den Gießkannen Kinder mit Hunden spielen. Verbrennt die Bauverordnungen, wir ersetzen sie mit den Früchten unserer turbulenten Diskussionen in den verlorenen Cafés. Ob kleinkariert oder großgepunktet, ab heute darf jeder sein Haus so bauen, wie er will!
Doch was wird aus den Behörden, den Einkaufszentren und den Polizeidienststellen, den Kläranlagen und den Universitäten?
Ausbomben oder anmalen?
Neu bauen oder abschaffen?
Glas oder Gras?

#22

Durch die wilden Straßen, verirrt in einem Labyrinth, wollten mich die Architekten in die Falle der Fremdenhäuser, der Zirkusshows, der lichtdurchfluteten Rummelplätze, laut, extravagant und einsam in der Menschenmasse, locken?
Die Mauern des Labyrinths, auf den Seiten der Strasse waren sichtbar, eindeutig, aus Beton, ohne Zweifel, aber das Sonnen- und Laternenlicht durchflutete die Betonmauern, als wären sie nicht existent. Gefangen zwischen Realität und Traum verirrte ich mich grund- und bodenlos. Wo blieb bloss die Struktur dieser Stadt? Wer führte mich in dieses helle, aber düstere, farbige, blinkende, lichterlohe aber gleichzeitig graue, einsame Labyrinth. Asphalt, Beton, grau, grauer, am grausten.
Wo zieht es mich hin in dieser Stadt?
Wo führen die wilden Straßen mich hin?
Suche ich das Vertraute, die sicherheitsgebenden Orte auf, die verkehrslosen ruhigen Plätze, die Natur integriert in den Beton. Suche ich Abwechslung, wo fühle ich mich geborgen? Mittendrin im Irrgarten oder will ich mich draussen so fühlen wie in einem verlorenen Café, wo die Kaffeebohnen so schmecken als wären sie aus einer anderen Welt. Ich folge dem Duft des Kaffees ohnehin.

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