“Twitching”

Paul Günther

In der Hausarbeit „Die Formung des utopischen Stadtbewohners: Macht, Architektur und Liberaler Paternalismus“ beschreibe ich Machtausübung durch Raumgestaltung in der die Tradition ebenso wie ihrer moderne Form. Die Verhaltensökonomie hat mit dem „Nudging“ konkrete Techniken entwickelt, um Stadtbewohner zu lenken und ihr Verhalten zu steuern. Diese Tendenz ist bedenklich, denn das Wissen um ihre Anwendung ist bei den wirtschaftlich und politisch Mächtigen konzentriert und wird zu deren Vorteil eingesetzt.

Diesem einengenden Konzept der Verhaltenssteuerung möchte ich das „Twitching“ entgegenstellen. Ein Twitch ist eine unbewusste Muskelzuckung, also eine unberechenbare Bewegung des Körpers. Dieses Wort fängt somit den Gegensatz zum kontrollierten und einschränkenden Nudging ein. Zwei Ziele stehen beim Twitching im Vordergrund:

  • Das Angebot von lokalem oder temporalem Freiraum, der von den Passanten durch eigene Gestaltung gefüllt werden soll, nicht nach den Vorgaben der Experimentatoren.

  • Die Schaffung neuer, ungeplanter Begegnungen zwischen vorher unbekannten Menschen.

Beide Ziele des Twitching sind Situationen, deren Erleben und Bewältigen für ein partizipatorisches und freiheitliches politisches System unabdingbar sind. Eine Demokratie kann nicht von reinen Konsumenten mit Leben gefüllt werden, Kreation und Begegnung sind elementar für die Aufrechterhaltung politischer, sozialer und ökonomischer Freiheit. Insofern soll die Situation des Twitchings die Passanten ein wenig unberechenbarer zurücklassen und ihnen die Erfahrung verschaffen, dass konkreter Einfluss auf die Stadtumgebung möglich ist.

Das von mir durchgeführt Experiment war der Prototyp einer solchen Aktion, zwischen 40 und 50 Passantinnen malten fröhlich und spontan auf dem Alexanderplatz. Wir boten hier einzig die Möglichkeit, also Pinsel, Farbe und Papier, die Menschen mussten jedoch selbst ein Bild erschaffen.

Im zweiten Schritt gilt es nun, diese Situation auch in anderen Umgebungen auszuprobieren, dazu verhandle ich derzeit mit der Alten Nationalgalerie, der BVG und dem Flughafen Tegel.

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